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Analogie

Analogie

Analogien als Schlüssel: Verborgene Verbindungen zwischen Wissenschaft und Alltag

Unsere Welt ist dreidimensional, daran gibt es keinen Zweifel. Vorwärts, rückwärts, rechts, links, oben und unten. Kinderleicht. Wir haben die Sinne und den Prozessor, diese drei Dimensionen wahrzunehmen. Der Nachweis unserer Dimensionen ist dabei denkbar einfach. Man muss nur in jede Richtung schauen, dann sieht man, wie sich der Raum in die drei Dimensionen ausdehnt. Nun gibt es Theorien, die von deutlich mehr Dimensionen ausgehen. Für das Leben, das wir kennen, scheinen sie keine größere Rolle zu spielen. Zumindest können wir sie nicht erkennen, sie uns nicht einmal vorstellen. Theorien, die von 11 Dimensionen ausgehen, von denen einige aufgerollt sein sollen, kann ich zur Kenntnis nehmen, meiner Vorstellungskraft entziehen sie sich jedoch komplett. Unsere Sinne und damit unsere Wahrnehmung sind auf die drei bekannten Raumdimensionen justiert. Alles andere wird nicht erfasst. Einblicke in diese Dimensionen können wir nicht bekommen. Für uns sind diese Dimensionen nicht existent.

Nun könnte man sich ja ein Wesen vorstellen, welches nicht in der Lage wäre, die dritte Raumdimension, die Höhe, wahrzunehmen. Zur Vereinfachung werde ich dieses Wesen Bidim nennen. Bidim ahnt nicht einmal etwas von der dritten Dimension. Für deren Wahrnehmung fehlen ihm einfach die Sinne. Bidim kennt keine Höhen und Tiefen, er kann weder springen noch tauchen und kennt nur vier Richtungen: rechts, links, geradeaus und zurück. Erzählt man ihm vom Tal der Tränen, schaut er verständnislos, und himmelhochjauchzend kann er sich auch nicht vorstellen. Bidims Welt ist zweidimensional. Wir sehen ihn aber in unserer dreidimensionalen Welt. In unserer Welt ist er ein dreidimensionales Wesen. Wie aber soll dann seine Existenz in dieser dritten Dimension konfiguriert sein? Jeder Punkt von Bidims Körper muss in einer dreidimensionalen Welt durch entsprechende drei Koordinaten festgelegt sein. Es ist meiner Meinung nach nicht möglich, einfach auf eine Dimension zu verzichten. Für Bidims Wahrnehmung und seine Sicht der Dinge ist die Ausprägung in der dritten Dimension unerheblich. Er kann sie nicht erkennen. Wir sehen ihn komplett anders, als er sich selbst sieht.

Schnell sind wir allerdings wieder am Rand des Vorstellbaren angelangt. Wie soll man sich ein zweidimensionales Wesen vorstellen? Masse kann es nicht haben, da sich diese aus dem Produkt von Volumen und Dichte ergibt. In beiden Größen ist die dritte Dimension enthalten. Bei nicht existenter dritter Dimension gibt es folglich auch keine Masse. An diesem Punkt ist kein Weiterkommen. Trotzdem ist eine Schlussfolgerung meiner Meinung nach erlaubt. Bidims Existenz mit seiner zweidimensionalen Wahrnehmung in einer dreidimensionalen Welt ist deutlich komplexer, als er sich vorstellen kann. Es kommen neue Naturgesetze hinzu. Größen wie Raum und Masse wirken sich plötzlich auf seine Existenz aus. Für ihn selbst bleibt dies alles auch nicht unbemerkt. Schließlich lebt er nun einmal in der dreidimensionalen Welt, in welcher er durchaus eine Masse und eine räumliche Ausdehnung haben dürfte. Er weiß es nur nicht. Trotzdem dürften Kräfte, wie zum Beispiel die Gravitation, einen Effekt auf Bidims Erleben haben. In seiner Welt dürfte dieser Effekt nur schwer erklärbar sein. Würde er nur lange genug darüber nachdenken und vielleicht ein wenig mathematisches Geschick besitzen, käme er vielleicht zu einer zweidimensionalen Erklärung. Er könnte eine Theorie entwickeln, die in der Lage wäre, seine Beobachtungen zu erklären und entsprechende Vorhersagen zu machen. Ob er aber jemals in der Lage sein würde, die dritte Dimension mit ihren Naturgesetzen komplett zu verstehen, ist fraglich. Sollte er, in ferner Zukunft, in der Lage sein, die dritte Dimension wahrzunehmen, wäre er vermutlich höchst erstaunt. Die Welt, die er nun erstmalig betrachten würde, müsste ihm im höchsten Maße befremdlich vorkommen. Und dabei wäre sie schon immer vorhanden gewesen.

Ich denke, Bidims Sichtweise ist nun verstanden. Es wird Zeit, dass wir uns um uns selbst kümmern. Was ist denn nun mit diesen elf Dimensionen, von denen einige zudem noch aufgerollt sein sollen? Wenn sie vorhanden sind, haben wir in ihnen auch eine Existenz. Welche Naturgesetze mögen sich daraus ergeben, deren Auswirkungen wir spüren, aber nicht erklären können? Was wäre, wenn wir Einblicke in diese Dimensionen erhalten könnten? Könnten wir dann Gravitation erklären? Würden wir erkennen, dass unser Gehirn in mehr Dimensionen denkt, als gedacht? Hier drängt sich ein weiterer Gedanke auf: Wie stünde es im Falle einer mehrdimensionalen Existenz um unsere Abgrenzbarkeit gegenüber der Außenwelt? Stellt man sich einen dreidimensionalen Körper, wie zum Beispiel einen Bogen, vergleichbar einer Brücke vor, und zöge einen zum Boden parallelen Schnitt durch die Brückenpfeiler, erhielte man zwei getrennte Flächen. Zwei Existenzen in einer zweidimensionalen Welt, eine Existenz in einer dreidimensionalen Welt. Vielleicht sind mein Nachbar und ich lediglich dreidimensionale Anschnitte eines einzigen elfdimensionalen Gebildes. Mein Nachbar ist allerdings Zahnarzt und hätte an solchen Gedankenspielen vermutlich keinen Spaß. Er würde meine Ausführungen für zu eindimensional halten. Fertig wäre er damit. Aber, was soll’s. Komm, Bidim, wir gehen nach Hause.

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